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Flexible Arbeit: Böse Falle oder unsere Zukunft?

Das ist flexible Arbeit: Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Homeoffice. Mit zahlreichen Modellen versuchen Unternehmen, den wachsenden Forderungen nach mehr Flexibilität gerecht zu werden.

Eindrucksvoll unterstreicht die breit angelegte Studie „TalentTrends 2019“ von LinkedIn diese Entwicklungen: Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Flexibilität für Arbeitnehmer zunehmend wichtiger wird und einen entscheidenden Faktor bei der Jobsuche darstellt.

Trotz ausufernder Diskussionen zu dem Thema, ist Flexibilität ein recht vager Begriff: Zum einen umfasst sie zeitliche Selbstbestimmung, zum anderen spielt auch räumliche Unabhängigkeit häufig eine Rolle.

Während einige vor allem die Vorteile selbstbestimmter Arbeit sehen, gibt es kritische Stimmen, welche auf damit einhergehende Risiken hinweisen. Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle werden umfangreich diskutiert. Diese zeigen deutlich die Diskrepanz zwischen potenziellen positiven und möglichen negativen Folgen für Unternehmen und Mitarbeiter.

Wir wollen hier nicht auf konkrete Modelle eingehen, sondern viel mehr einige Punkte aufgreifen, die in der öffentlichen Debatte zum Thema Flexibilität eine Rolle spielen:

1. KONTROLLE UND FLEXIBLE ARBEIT

Für den Arbeitgeber ist es sicherlich ein anderes Gefühl, die Mitarbeiter am Schreibtisch sitzen zu sehen, als sie zuhause vor dem Laptop zu vermuten. In der Tat können Modelle wie Homeoffice oder Vertrauensarbeitszeit mit einem gewissen Verlust an Kontrolle einhergehen.

Im ersten Moment denkt der ein oder andere nun vielleicht an einen Arbeitnehmer, der bezahltes Netflixen betreibt – in der Realität ist jedoch nicht selten das Gegenteil der Fall: Überstunden werden häufiger, Arbeitszeiten unkonventioneller und für den Arbeitgeber fast unmöglich nachzuvollziehen. Dies kann zu ernsthaften Problemen führen, da der Gesetzgeber verschiedenste Regelungen zur Arbeitszeit sowie zu deren Dokumentation vorschreibt.

Findet eine Prüfung statt, haftet der Arbeitgeber und muss mit saftigen Bußgeldern rechnen.Doch wie der Name schon sagt, erfordern Konzepte wie Vertrauensarbeitszeit ein gewisses Maß an … Vertrauen. Ist der Arbeitgeber bereit, seinen Mitarbeitern dieses entgegenzubringen, können gemeinsam Richtlinien und gegebenenfalls Kontrollmaßnahmen erarbeitet werden, um für beide Seiten eine Balance zwischen Freiheit und Absicherung zu finden.

2. KOMMUNIKATION UND FLEXIBLE ARBEIT  

Gibt es keine festen Arbeitszeiten, zu denen alle Mitarbeiter verfügbar sein müssen, kann dies die interne Kommunikation immens erschweren. Im extremsten Fall steht die eine Hälfte des Teams gerade erst auf, wenn die anderen schon fast Feierabend machen. Auch besteht die Befürchtung, durch einen Mangel an persönlicher Kommunikation könnten Missverständnisse zunehmen und Mitarbeitern der Zugang zu wichtigen Informationen fehlen.

Wie kann man diesen Problemen begegnen? Eine mögliche Lösung: ein Modell mit Kernarbeitszeit, zu welcher alle Mitarbeiter anwesend sein müssen und die darüber hinausgehende Arbeitszeit selbst einteilen können. Doch in diesem Fall ist die gewünschte räumliche und zeitliche Unabhängigkeit nur bedingt gegeben. Unternehmen müssen also Abwägungen treffen und in jedem Fall eine umfangreiche Kommunikation und Planung innerhalb und zwischen Teams fördern.

3. TEAMZUSAMMENHALT UND FLEXIBLE ARBEIT 

Aus den Augen, aus dem Sinn – gilt dies auch für Teams, die räumlich und zeitlich unabhängig voneinander arbeiten? Es besteht das Risiko, dass Mitarbeiter, die sich nur selten persönlich treffen, weniger eng zusammenarbeiten und kaum ein Teamzusammenhalt entsteht. Außerdem ist es wichtig, dass Führungskräfte trotz des räumlichen Abstandes zu ihren Mitarbeitern diesen noch genug Wertschätzung entgegenbringen. Auch wenn sie den Arbeitsprozess nicht direkt beobachten können. 

4. WORK-LIFE-BALANCE UND FLEXIBLE ARBEIT

Dies ist das wohl wichtigste Argument, das Mitarbeiter im Zuge der Forderung nach mehr Flexibilität anführen. Sicherlich zählt Work-Life-Balance zu den Vorteilen von Vertrauensarbeitszeit. Nachmittags den Haushalt machen und Einkaufen, um dann abends noch einige Mails abzuarbeiten.

Doch gehört auch dazu, abends im Bett noch das Gefühl zu haben, weiter arbeiten zu müssen? Und was wenn der Chef um 22:30 Uhr noch eine dringende Mail schickt? Die ständige Erreichbarkeit und mangelnde Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit kann für Mitarbeiter zu einer großen Belastung werden. Im schlimmsten Fall hat das ernsthafte Folgen wie Schlafstörungen, Burnout oder Depressionen.