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Klima, Krise, Krieg: So machst Du trotzdem Karriere

Andauernde Gefechte in der Ukraine, zusammenbrechende Lieferketten und drohende Stagflation – aktuell jagt eine Schreckensmeldung die nächste. Die wirtschaftliche Situation in Europa ist allgemein unsicher, dennoch beklagen deutsche Unternehmen besonders eins: den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.  

Die Lage ist in fast allen Branchen kritisch. Viele attraktive und gut bezahlte Stellen bleiben hierzulande unbesetzt. Nicht etwa, weil die Unternehmenserwartungen so hoch wären, sondern weil es einfach keine Bewerber gibt. Hinzukommt, dass sich die geburtenstarke Generation der Babyboomer allmählich zur Ruhe setzt und vom Arbeitsmarkt verschwindet. Die nachfolgenden Millennials, sowie die aktuellen Berufseinsteiger der Generation Z, können diese Lücke zahlenmäßig nicht füllen.  

Der Digitalbranche fehlen Fachkräfte 

Vom allgegenwärtigen Personalmangel ist die IT- und Digitalbranche mit am schlimmsten betroffen. Das belegen auch aktuelle Studien. So stellte beispielsweise das Institut der deutschen Wirtschaft im September 2021 fest, dass nur etwa jede zweite ausgeschriebene Stelle in Digitalisierungsberufen erfolgreich besetzt werden konnte. Das heißt: 77.000 Arbeitsplätze blieben leer. Tendenz steigend. 

Die Krise als Karriere-Katalysator 

Diese Entwicklung ist für Arbeitgeber besorgniserregend – beinhaltet aber für Arbeitnehmer auch eine gute Möglichkeit Karriereambitionen zu verfolgen. Besonders als digitale Fachkraft oder Quereinsteiger kannst du von der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt profitieren. Denn eine allgemein hohe Nachfrage und die Dringlichkeit der Unternehmensdigitalisierung wirken sich jetzt wie ein Katalysator auf deine Karriere aus. Wie also nutzt du die allgemeine Krisensituation clever für dich? Durch unsere langjährige Erfahrung im Recruiting wissen wir, was es braucht um auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten die Karriereleiter weiter hochzuklettern. Unsere fünf wertvollsten Tipps und was du für dein neues Erfolgs-Mindset brauchst, haben wir hier zusammengefasst. 

1. Trau dich zu wechseln

Ein erfolgreiches Arbeitsleben hieß früher, sich in einem Unternehmen 40 Jahre lang hochzuarbeiten. Doch diese Art Karriere zu machen ist überholt. Heute empfehlen wir jungen Arbeitnehmern so viele unterschiedliche Erfahrungen wie möglich zu sammeln.

Und auch für alle anderen gilt: Es ist ratsam nach circa 2 Jahren die eigene Position im Unternehmen und auf dem Arbeitsmarkt zu hinterfragen und sich im Zweifelsfall für eine neue Herausforderung zu entscheiden. Denn ein freiwilliger Jobwechsel verspricht laut Claudia Kimich, Verhandlungstrainerin aus München, in den meisten Fällen einen „extra Push aufs Gehalt“ (vgl. Handelsblatt Ausgabe Nr. 1o2, Mai 2022, Artikel „Seitwärts, schneller, weiter“). Und außerdem macht er auch glücklich. Produktivität und Zufriedenheit im Job liegen bei wechselwilligen Arbeitnehmern nämlich deutlich höher als bei ihren zögerlichen Kollegen.

2. Checke dein Mindset

Wer sich aber für häufige Jobwechsel entscheidet, kommt nicht umhin sich mit jedem neuen Projekt weiterzuentwickeln. Das mag anstrengend klingen, aber mit dem richtigen Mindset ist diese Haltung aktuell einer der größten Karrierebeschleuniger. Ein Wachstums- oder „Growth Mindset“, wie es die Stanford-Psychologin Carol Dweck nennt, zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen jede Herausforderung als Lernmöglichkeit sehen und auch nutzen. Eine Einstellung, die dich wirklich weiterbringen wird. Denn je komplexer und spezialisierter unsere Arbeitswelt wird, desto wichtiger ist ständiges Lernen. Als langjährige Recruiter wissen wir, dass der akademische Werdegang bei vielen Personalentscheidungen oft eine sekundäre Rolle spielt. Als Bewerber punktest du im Bewerbungsprozess eher mit Berufserfahrung und Soft Skills, wie Teamfähigkeit oder Kreativität.

3. Nutze Social Media richtig

Mit Hilfe der Sozialen Medien ist Networking einfach wie nie. Vor allem in Pandemiezeiten sind Karriereplattformen wie LinkedIn oder Xing probate Hilfsmittel geworden, um die eigene Expertise nach außen zu tragen. Allerdings überschreiten viele User beim Posten, Sharen und Kommentieren die Grenze zwischen Privatem und Beruflichem. Nicht alles, was du mit Freunden teilen würdest, gibst du auch in einem Bewerbungsgespräch preis, oder? Wie also zeigt man online Authentizität ohne langweilig oder unprofessionell zu sein? Im Gespräch mit dem Handelsblatt verrät Expertin Tijen Onaran, Chefin der Diversity-Beratung Global Digital Woman, ihr Credo: “Persönliches ja, Privates nein.“ Du kannst posten, was dich umtreibt, aber der Kontext zum Geschäftlichen muss immer deutlich erkennbar sein, sonst fehlt der Mehrwert für deine Follower.

4. Führe auf Augenhöhe

Micromanagement hat ausgedient. Führungskräfte sind heute nicht mehr nur dafür da, Firmenziele durchzuboxen und jeden Schritt ihrer Mitarbeiter zu kontrollieren. Gute Führung zeichnet sich heute vor allem durch Empathie und gezielte Förderung aus. Mitarbeiter wünschen sich einen Mentor, der ihnen auf Augenhöhe begegnet und ihnen im Arbeitsprozess zur Seite steht. Dazu gehört es auch, dass du als Vorgesetzter eine persönliche, enge Verbindung zum jeweiligen Team aufbaust. Das ist um so wichtiger, wenn ihr räumlich getrennt voneinander arbeitet. Die klassische Büro-Abteilung, die einen Großteil der Arbeitszeit gemeinsam verbringt, gibt es so kaum noch. Teamgeist entsteht nur, wenn sich jeder bis zu einem gewissen Grad öffnet und auch Privates teilt. Geh mit gutem Beispiel voran, so förderst du Zusammengehörigkeit und Eigeninitiative in deinem Team.

5. Kümmere dich um dich selbst

Selbstmanagement ist besonders in Krisenzeiten extrem wichtig, denn wenn dir deine persönlichen Ressourcen ausgehen, ist das der schnellste Weg ins Karriere-Aus. Dazu gehört vor allem die Kompetenz, ein nachhaltiges, ausgeglichenes Leben zu führen; also eine gesunde Lebensweise mit angemessener Work-Life-Balance zu etablieren. Aber auch Fähigkeiten für die Umsetzung helfen dir dabei etwas für dich zu tun. Diese können mithilfe von Büchern, Coachings oder Kursen, etwa zum Arbeitszeitmanagement, erlernt werden. Unserer Meinung nach, ist eine ordentliche Portion Selbstreflexion besonders wichtig, damit du erkennst, wo es in deiner (Arbeits-)Routine Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Außerdem helfen formulierte Ziele dir dabei, wenn du mehr Selbstfürsorge in deinen Alltag integrieren möchtest. Aber bleibe realistisch und kremple dein Leben eher nach und nach um. Du wirst nicht von heute auf Morgen zum Marathonläufer, aber ein kleiner Spaziergang in der Mittagspause ist durchaus machbar.